Donnerstag, 7. Mai 2009

Post from Dresden-Mobility-May-2009

POST FROM DRESDEN
Dear Kästner friends,
I am pleased to publish the first text that I have recieved from a fellow member of our society!
(a cutting from the "Berliner Zeitung" about Jaques Tati, see below)
Cross fertilisation is healthy!!
As you know I have presented the work of Jacques Tati several times over the last years in our museum festival to celebrate Erich Kästner's birthday, this year under the title of "Mobility". Therefore I am delighted that Tati is the first sign of life in our blog.
Read the article for yourself, those of you who are lucky enough to visit Paris in the near future please do visit the exhibition and send me a postcard which I can publish on our blog.
The blog lives!
So please send me more texts, ideas, photos, comments etc and I will publish them for all to see so that all can join in the pleasure of the EKG community!!
But first a brief report from Dresden:
Today I had a long meeting with our new "Kultur-Mayor" Dr. Lunau. He very kindly gave us the opportunity to present the activities of our literature house in Dresden. We discussed among other issues the past, present and future of the Erich Kästner museum, the importance of Erich Kästner for the people of Dresden, (Dresdens image in national and international city marketing terms and how EK could help). The importance of intercultural integration. Life long education from the very young to the very old, (who can be young at heart of course!!!) etc. I suggested that we try to develop the idea of a "Kästner Viertel" (Neustadt) in Dresden and that the EK museum festival be better integrated in the cultural politics and activities of the city.
Themes discussed: Virtualmuseum, Erich Kästner Rallye, Kästnermobil, Travelling micromuseum exhibition, interkulturelles forum, Pinguin Pen, Museums-Sommernacht, museumslounge, worshops, vortrage, szenische Lesungen.
And last but not least Dresden-Münich of course!
Ruairí O'Brien
Dresden 07.05.09


Der Mann, der den Gag demokratisierte


Eine Ausstellung in der Cinémathèque française feiert den großen Filmkomiker Jacques Tati
Gerhard Midding

Mehr als zweieinhalb Jahrzehnte nach seinem Tod (und zwei Jahre nach seinem 100. Geburtstag) schickt Jacques Tati sich erneut an, Paris in Besitz zu nehmen. Schon auf dem Weg von der Metro zur Cinémathèque francaise grüßt einen die vertraute Gestalt des hochgewachsenen Mannes mit Hut, Pfeife Regenmantel und Hochwasserhosen an jeder Ecke. In den nächsten Monaten wird man die französische Metropole auf den Spuren des großen Filmkomikers Tati (1907-1982) besichtigen können; man wird bei Führungen überprüfen können, wie sehr ihn die Architektur und der urbane Wandel faszinierten. Vor den Toren der Stadt lädt ein Nachbau der Villa Arpel zur Besichtigung ein, deren Bewohner einst in Tatis Film "Mein Onkel" die Segnungen der modernen Konsumgesellschaft fürchten lernten. Theaterinszenierungen und Konzerte sind dem Meister der Komödie gewidmet.
Es verlangt einige Kühnheit, gleich eine ganze Stadt als Teil einer Ausstellung zu annektieren. Stéphane Goudet und Macha Makeiff, die Kuratoren der vorzüglichen Tati-Ausstellung der Cinémathèque, tun es mit vollem Recht: Sie wissen Tati, den bekümmert-amüsierten Chronisten der Moderne, auf ihrer Seite. Es ist ein Vergnügen, eine Ausstellung zu durchwandern, die in jedem Winkel ihre genaue, liebevolle Kenntnis des Gegenstandes offenbart. Bereits im Gang zum Ausstellungsraum greifen die Kuratoren Tatis Befund einer immer uniformer werdenden Welt auf, indem sie dasselbe Hochhaus in Holland, Japan, Spanien und den USA auftauchen lassen. Im Grunde beginnt die Schau schon im Fahrstuhl, wo der arglose Besucher von den Geräuschen des ankommenden Zuges aus "Die Ferien des Monsieur Hulot" überrascht wird. Am Eingang haben Goudet und Makaieff auch an die Rastlosen gedacht, mit denen Tati indes wenig Geduld hatte: Wer glaubt, keine Muße zu haben, kann den Ausstellungsparcours im virtuellen Schnelldurchlauf bewältigen.
Aber was würde einem dabei alles entgehen! Goudet und Makaieff haben die Bild- und Klangfülle im Werk Tatis in ihrer Szenographie weitergedacht: Man darf sich hineingeworfen fühlen in einen imaginären Tati-Film, der zugleich eine Synthese seiner realen Filme ist. Das große Verdienst des Regisseurs ist es, den filmischen Gag demokratisiert zu haben: Jede Figur hat einen verdient. Der Besucher kann dies an sich selbst nachvollziehen: Wenn er wie das Ehepaar Arpel in "Mein Onkel" durch die Bullaugenfenster der Villa schaut, verwandelt sich sein Kopf in eine Pupille. Dem Moment der Gleichzeitigkeit, des tatiesken Nebeneinanders einer ganzen Vielzahl von Gags, tragen die Kuratoren Rechnung, indem sie den Zuschauerblick auf mehrere Monitore lenken. Einfühlsam schaffen sie Zusammenhänge.
Originalrequisiten aus Tatis Filmen gewinnen Doppelwertigkeit als cinephiler Fetisch und im Ensemble zeitgenössischen Designs. Sie stellen Tati als einen vielfach Verwandten dar und erweisen nicht nur den Quellen seiner Inspiration ihre Reverenz, etwa den Stummfilmkomikern, von denen er lernte, und den Architekten, deren Phantasie ihn ebenso faszinierte wie befremdete. Die Ausstellungsobjekte demonstrieren überdies, dass Künstlern wie Henri Cartier-Bresson, Raoul Dufy und Andy Warhol ganz ähnliche Dinge ins Auge fielen, wie sie auch den Regisseur beschäftigten. Im Katalog äußern sich Bewunderer über ihn, Regisseure wie Wes Anderson, Olivier Assayas und David Lynch, der Modeschöpfer Christian Lacroix und der Architekt Jean Nouvel.
Tatis Schaffen erzählen Goudet und Makaieff vom Ende her. Sie eröffnen die Schau mit seinen späten Filmen "Playtime" und "Trafic", in denen die Dekors der eigentliche Star sind. Den Weg von der noch beschaulich ländlichen Welt in "Tatis Schützenfest" bis zur hypermodernen Stadt legen sie in umgekehrter Reihenfolge zurück. Dabei scheuen sie nicht das Anekdotische, lassen aber im Zweifelsfall stets dem verschmitzt analytischen Blick den Vortritt. So wird die Hellsicht eines Urbanisten kenntlich, der nicht vergessen hat, dass er einmal ein neugieriges, begeisterungsfähiges Kind war. Tatis Befund des modernen Lebens ist eher wehmütig als kulturpessimistisch, seine Moral ist keine des Urteils, sondern eine der genauen Beobachtung. Und welchem Filmkünstler könnte man mehr vertrauen als einem, der von sich sagt, er habe sich beim Warten auf Flughäfen nie gelangweilt?
Die Ausstellung "Jacques Tati: Deux Temps, trois mouvements" ist noch bis 2. August in der Cinéma- thèque française in Paris zu sehen.
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Foto: So kennen und lieben wir ihn: Monsieur Tati demonstriert Würde mit Hut, Pfeife, Regenmantel und Hochwasserhosen.
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Foto: Es gibt eine Hölle auf Erden: Jacques Tati besieht sich in "Playtime" die Vereinzelung des arbeitenden Menschen.


Paris:

Zensur auf Filmplakaten - Jacques Tatis Pfeife musste weg
Aufgrund des Verbots Werbung für Tabakwaren zu machen, wurden kürzlich in Paris 2.000 Plakate einer Ausstellung über den französischen Meisterkomiker und Regisseur Jacques Tati zensiert. Das Filmplakat zeigte ursprünglich wie Tati mit einer Pfeife im Mund Fahrrad fuhr. Der Regisseur und Organisator der Ausstellung, Constantin Costa-Gavras, nannte die Zensur "absurd und lächerlich" und meinte, dass der Komiker sich darüber köstlich amüsiert hätte, da er in seinen Filmen die Pfeife nie angesteckt hatte. Bekannt geworden ist Jacques Tati unter anderem mit dem Film "Die Ferien des Monsieur Hulot", eine Filmposse aus dem Jahre 1953.

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