Montag, 15. Februar 2010

Walter Trier


Liebe Kästnerfreunde
Als Nachtrag zu unsrer diesjährigen Walter Trierausstellung in der Universität Bielefeld ist vielleicht der folgende Artikel interessant.


Montag 18.01.2010
Ausstellung zu Walter Trier
Politische Karikaturen



Walter Trier (1890 - 1951)

Politische Karikaturen
Universitätsbibliothek Ebene C1

Ausstellung 16.1.–13.2.2010
Die Ausstellung ist eine Veranstaltung der Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft und noch bis zum 13. Februar, montags bis freitags von jeweils 8 bis 22 Uhr in der Universitätsbibliothek Ebene C1 zu erleben.

„Der Pressezeichner und Illustrator Walter Trier ist bis heute vor allem mit seinen farbenfrohen Kinderbuchillustrationen bekannt geblieben. Über die Generationen hinweg werden die Liebenswürdigkeit seiner Zeichnungen und die kräftige Farbgebung geschätzt. Es spricht für die Qualität der Buchillustrationen Walter Triers, dass die Bücher bis heute in fast unveränderter Aufmachung erscheinen, ja sogar Erstausgaben verlegt werden (Der lustige Dampfer, Text von Harry Rowohlt, 2009). Diese Illustrationen sind aber nur ein kleiner Teil seines Oeuvres. Was Walter Trier darüber hinaus malte und zeichnete, ist erst seit wenigen Jahren intensiv erforscht (Katalog Neuner-Warthorst, 2006). Weniger bekannt sind seine politischen Karikaturen, die er im Verlauf des Ersten Weltkriegs und in der Zeit seines Exils in England während des Zweiten Weltkriegs zeichnete.
Nach einem nur kurzen Besuch der Prager Kunstgewerbeschule wird Walter Trier ab 1906 an der Münchner Akademie bei Franz von Stuck ausgebildet. 1909 erscheinen erste Zeichnungen von ihm in der satirischen Zeitschrift Simplicissimus und in der Jugend. Die Arbeit für diese beiden führenden Münchner Kunstblätter wird zum Sprungbrett für seine Karriere als Illustrator. Der Berliner Verleger Otto Eysler unterbreitet ihm 1910 das Angebot, als Pressezeichner für die Lustigen Blätter zu arbeiten. In den folgenden Jahren wird Walter Trier zum meistbeschäftigten Zeichner in Berlin, allein für die Lustigen Blätter kommt man in zehn Jahrgängen auf über tausend größtenteils ganzseitige Farbabbildungen. Für die Ullstein-Magazine UHU und Die Dame zeichnet der „Star“ (Neuner-Warthorst) unter den Berliner Zeichenkünstlern zwei Jahrzehnte lang Titelseiten und Illustrationen.
In den Lustigen Blättern richtet sich sein Spott auf den Alltag in der Großstadt, die feine Gesellschaft und das politische Tagesgeschäft. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges steigt auch bei den Lustigen Blättern der Bedarf an politischer Propaganda. So zeichnet Trier wie die meisten Künstler nationalistisch-patriotische Arbeiten, zumeist weniger aggressiv als seine Zeichenkollegen, eine gewissen ironisch-freundlichen Spott bewahrend.
In den 20er Jahren zieht er sich, nun stärker ohne explizite politische Stellungnahme, in ein privates Paradies zurück, das er mit Tieren, Kindern, Spielzeug und Artisten belebt. Die Kinderbuchverlegerin Edith Jacobsohn vermittelt den populären und erfahrenen Illustrator 1927 an den jungen Journalisten Erich Kästner, als es darum geht, das Kinderbuch Emil und die Detektive zu bebildern. Diese Zusammenarbeit hat ein Vierteljahrhundert angedauert und eine Reihe schöner weiterer Kinderbücher hervorgebracht.
Der 30. Januar 1933 stellt für die Familie Trier einen tiefen Einschnitt dar. Wegen ihrer jüdischen Abstammung muss sie Deutschland verlassen und findet im Dezember 1936 in England Exil. Dort zeichnet Walter Trier unter anderem ab Juli 1937 das Titelbild für das Monatsmagazin Lilliput, in 12 Jahren kommen so mehr als 150 Titel zusammen. Während des Zweiten Weltkrieges arbeitet er an dem deutschen Wochenblatt Die Zeitung mit (166 Arbeiten), für die u.a. auch Sebastian Haffner schreibt, es entstehen markante, hochaktuelle Karikaturen gegen die deutsche Führung. Er illustriert politische Flugblätter, die von Flugzeugen über den von den Deutschen besetzten Gebieten abgeworfen werden.
Im Februar 1947 werden Walter und seine Frau Helene schließlich britische Staatsbürger und folgen der Tochter nach Ontario (Kanada). Trotz des schnellen Erfolges, den Walter Trier auch in Übersee erzielt, spielt er mit dem Gedanken, in die Alte Welt heimzukehren. Doch er stirbt am 8. Juli 1951. Der gesamte Nachlass gelangt 1976 zusammen mit der Spielzeugsammlung Walter Triers (345 Objekte) an die Art Gallery of Ontario, Toronto.“
© Neuner-Warthorst, Konstanz
Antje Neuner-Warthorst: Walter Trier. Politik, Kunst, Reklame. Zürich: Atrium Verlag, 2006
Harry Rowohlt, Walter Trier: Der lustige Dampfer. Hamburg: Cecilie Dressler Verlag, 2009

Weitere Infos unter


Zur Ausstellung erschien nachfolgender Pressebericht in der „Neue[n] Westfälische[n]“.

© 2010 Neue Westfälische
Bielefelder Tageblatt (SB), Freitag 29. Januar 2010


Siegfried Eckert, Bielefeld 15.02.2010

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