Montag, 2. März 2015

Drei Männer in Mannheim und Bochum


In den vergangenen Wochen besuchten Caroline und ich die Inszenierungen von Drei Männer im Schnee in Bochum und in Mannheim. Hier ein kleiner Erlebnisbericht, der euch anregen und inspirieren soll – zum einen, die Aufführungen selber zu besuchen, zum anderen, mir Berichte eurer Theatererlebnisse mit Kästner zu schicken.


Kein Schnee in Mannheim
Meine größte Kritik zu Beginn: In Mannheim gibt es keinen Schnee und es wird folgerichtig auch kein Schneemann gebaut. Das ist bedauerlich und nimmt dem Stück einen Teil seines Charakters. Geschuldet ist dies wohl dem eingeschränkten Budget des Theaters, das mit nur einer Kulisse auskommt. Spielt die erste Szene noch im Hause Tobler, so wird die Bühne alsbald zur Lobby des Grandhotels in Bruckbeuren umgebaut. Und hier spielt sich dann auch das ganze Stück ab.
Da kann Bochum ganz anders agieren: Als Rahmenhandlung angelegt wird zunächst, noch vor dem eindrucksvollen blutroten Vorhang, in einem Eisenbahncoupé das zweite Vorwort des Romans in Szene gesetzt und erzählt, wie Kästner zu dem Stoff gekommen ist. Die Eingangsszene im Hause Tobler ist dann noch recht schlicht, doch dann entsteht auf der Bühne ein Grandhotel, das sich sehen lassen kann. Drei Stockwerke hoch mit Lobby und Empfang im Erdgeschoss, einer Sonnenterrasse und Appartement für Herrn Dr. Hagedorn im ersten Stock und einer winzigen Mädchenstube unterm Dach. Eindrucksvoller Clou auf der Drehbühne ist jedoch die Rückseite der Hotelkonstruktion, die über die drei Etagen einem Skihang birgt, auf dem zunächst Ski gelaufen und anschließend Schneekugeln für den Schneemann Kasimir gerollt werden. Ein toller Einfall, der sich natürlich nur im großen Haus verwirklichen lässt. Auch die gesungenen Schlager der 1950er und die wiederkehrenden Tanzeinlagen sind großes Theater.
Dagegen wirkt die Mannheimer Inszenierung doch ein wenig provinziell, was aber durchaus gewollt ist. So kommen die Gewinner des Preisausschreibens der Putzblankwerke aus Mannheim und Heidelberg und die pfälzische Mundart, der sich die Bühne verpflichtet fühlt und die vom Publikum mit Wohlwollen goutiert wird, schleicht sich ein.

 
Imposante Ensembleleistung
Schauspielerisch überzeugten mich in Mannheim die Darsteller des Portiers Polter (Norbert Petri) und des Millionärs Tobler (Werner Heine). Besonders Heine gibt den vitalen Senior sehr überzeugend und facettenreich. In Bochum gelingt eine beeindruckende Ensembleleistung, die zu einem flotten Zusammenspiel der fünf männlichen Akteure Polter, und Kühne auf der einen und Tobler, Hagedorn und Johann auf der anderen Seite führt. Auffällig sind dabei zudem die deftig-kölsche Frau Casparius (Bettina Engelhardt) und eine wunderbar einfältige Frau Kunkel (Heidi Kriegeskotte). Enttäuschend waren für mich in beiden Inszenierungen die Darsteller von Fritz Hagedorn. War der Mannheimer Hagedorn (Knut Frank) so blass, dass man ihm den kreativen Werbetexter nicht abnahm, so war der Bochumer Hagedorn (Matthias Kelle) so überdreht, dass er an einen Slapstick-Darsteller erinnerte. In beiden Inszenierungen überzeugend dagegen die Darsteller des Johann. In Bochum der schwergewichtige und doch bewegliche Günter Alt, in Mannheim ein stocksteifer Wolfgang Kerbs, der sich wie C-3PO bewegt und auch fast so spricht.
 
Beide Inszenierung sind uneingeschränkt sehenswert und gerade der zeitnahe Vergleich ist sehr reizvoll. Fazit: In Mannheim wird die Geschichte flott und unterhaltsam erzählt, in Bochum ist sie als Kunstwerk inszeniert.




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